Gastbeitrag von Julia Reinert, ackertante.de
Manchmal beginnt alles mit einem leisen Gedanken.
Vielleicht beim Einkaufen, wenn du vor dem Gemüseregal stehst und dich fragst, warum Tomaten nach fast nichts schmecken. Vielleicht beim Spaziergang, wenn du an einem Garten vorbeigehst, in dem Bohnen ranken und Johannisbeeren leuchten. Oder vielleicht an einem Sonntagmorgen, wenn du mit einer Tasse Tee am Fenster sitzt und spürst: Da fehlt etwas.
Ein Selbstversorgergarten beginnt selten mit einem großen Plan. Meist beginnt er mit der Sehnsucht, naturverbundener zu leben. Mit dem Wunsch, wieder näher an das heranzurücken, was uns wirklich nährt. Mit dem Bedürfnis, selbst Verantwortung zu übernehmen – für unser Essen, für unsere Gesundheit, für ein Stück Lebensqualität.
Und dann, irgendwann, kommt dieser Moment:
„Ich probiere es einfach.“
Gemüsebeet anlegen – der klassische Einstieg in die Selbstversorgung
Hast du einen guten Gartenboden am Haus oder einen Schrebergarten, kann es direkt losgehen.
Der Standort ist entscheidend für gute Ernten. Für dein erstes Gemüsebeet empfiehlt es sich, einen halbschattigen Standort auszuwählen. So trocknet das Beet nicht so schnell aus, ist aber auch nicht ständig zu nass. Ein Mittelweg ist für die meisten Pflanzen verträglich.
Befreie den Boden von Kräutern und Wurzeln. Stecke dein zukünftiges Beet ab, sodass du von allen Seiten gut arbeiten kannst. Es empfiehlt sich zusätzlich, den Boden mit reifem Kompost oder gut verrottetem Mist anzureichern. Anschließend darf das Beet ein paar Tage ruhen, damit sich die Erde wieder setzt. Dann kannst du nach Herzenslust mit dem Säen oder Pflanzen starten.
Hochbeet nutzen – rückenschonend und ideal für Anfänger
Ein Hochbeet ist wie ein kleiner Garten auf Augenhöhe. Übersichtlich, strukturiert und einladend.
Gerade für Einsteiger ist es oft der sanfteste Weg in die Selbstversorgung, weil es vieles einfacher macht. Der Boden ist locker. Die Nährstoffe sind gut verteilt. Die Arbeit ist rückenschonend. Und du behältst jederzeit den Überblick.
Mit einem hochwertigen Hochbeet, zum Beispiel von Hochbeet-Hans, schaffst du dir einen festen Ort, an dem dein Selbstversorgerleben beginnt. Einen Ort, der dich viele Jahre begleitet und mit dir wächst.
Für ein naturnahes Gärtnern empfiehlt sich der nachhaltige Schichtaufbau von grobem organischem Material, Kompost und guter Gartenerde. Zudem schützt eine Abdeckung aus gemischtem Mulchmaterial vor Austrocknung und Schneckenbefall.
Hügelbeet bauen – natürlich düngen und langfristig ernten
Das Hügelbeet ist eine Liebeserklärung an den natürlichen Kreislauf. Es bietet eine vergrößerte Anbaufläche auf kleinem Raum und liefert viele Nährstoffe für dein Gemüse. Zudem kann das Erntezeitfenster auf natürliche Weise verlängert werden.
Ein weiterer Pluspunkt liegt darin, dass ein Hügelbeet ähnlich wie ein Hochbeet überall aufgebaut werden kann. Egal, ob du einen zu lehmigen oder zu sandigen Boden vor dir hast oder viele Steine dir das Leben schwer machen – ein Hügelbeet verbessert langfristig den Unterboden für deinen Selbstversorgergarten.
Starte deinen Selbstversorgergarten auch auf kleinem Raum
Was im Großen geht, funktioniert auch auf kleinstem Raum. Egal ob Terrasse oder Balkon. Du kannst genauso gut in Töpfen oder Kübeln gärtnern. Wichtig ist, dass du beginnst.
Starte deshalb mit einem ausreichend tiefen Topf oder Pflanzentrog und guter Gartenerde. Gern kannst du die Gartenerde mit Kompost anreichern. Beides erhältst du im Handel. Besser ist es allerdings, sich das Original vom Land zu besorgen. Vielleicht kennst du eine/n Gärtner/in oder den Biobauernhof in der Nähe. Beide teilen gern nicht nur Erde, sondern auch ihr Wissen mit dir und du bist wieder ein Stück näher an der Natur.
Welche Pflanzen eignen sich für Anfänger im Selbstversorgergarten
Was isst du gern? Was möchtest du gern ernten? Diese Überlegungen solltest du dir zu Beginn stellen. Sind es beispielsweise Radieschen oder frische Spinatblätter im Frühling? Möchtest du dich im Frühsommer an Salaten mit frischen Kräutern erfreuen? Vielleicht interessieren dich aber auch Tomaten, Gurken und Bohnen oder du liebst Kohl in sämtlichen Variationen über alles.
Das Beste vorab: Ein Selbstversorgergarten liefert dir nahezu 12 Monate im Jahr frisches Gemüse. Mit einer geeigneten Mischkultur kannst du auf nur einem Beet mehrere Kulturen gleichzeitig und nacheinander anbauen. Was du brauchst, ist ein bisschen Raum für Kreativität und Geduld. Denn die Pflanzen suchen sich ihren Platz und weisen dir den Weg.
Schritt für Schritt zum eigenen Nutzgarten
Mit jedem Jahr wird dein Blick ruhiger, dein Handeln sicherer, dein Garten größer und vielfältiger. Nach dem ersten Beet, Hochbeet und/oder Hügelbeet folgen in der Regel auch Obstbäume und Beerensträucher. Ein Kräuterbeet ist ebenso beliebt wie ein Staudenbeet mit Blumen für Herz und Seele.
Das Herzstück eines jeden Selbstversorgergartens: Der Kompost
Um deinen Garten ökologisch wachsen zu lassen, ist es wichtig, einen eigenen Kompost anzulegen. Nicht nur, weil bei dir nun jede Menge Grünabfälle anfallen, du benötigst auch Jahr für Jahr frischen biologischen und kraftvollen Kompost, um deine Beete und Pflanzen zu versorgen.
Klingt kompliziert? Ist es nicht. Der Kompost kann ein einfacher Haufen, eine Kompost-Box aus Holz oder Metall oder aber auf dem Balkon ein Kompost-Eimer oder Wurmkompost sein. Wichtig ist, dass du deinen Kompost mit den unterschiedlichsten, natürlichen Materialien über das gesamte Jahr fütterst: beispielsweise mit Küchenabfällen, Schnittgut, Fallobst, Laub und Rasenschnitt. Je unterschiedlicher die Materialien sind, desto gehaltvoller wird deine Komposterde am Ende sein.
In der Regel wird ein Kompost im ersten Jahr angelegt, im zweiten Jahr ruht er und im dritten Jahr kann er verwendet werden. Legst du also regelmäßig einen Kompost an, hast du immer kraftvolle Komposterde zur Verfügung.
Nutzhecken, Streuobstwiesen und Beerensträucher für den Selbstversorgergarten
Wenig Arbeit – großer Nutzen: Unsere heimischen Gehölze bereichern schon immer die Bauern- und Nutzgärten. Egal ob Obst- oder Nussbaum, ob Beerenstrauch oder Himbeerhecke, wer liebt es nicht, die köstlichen Früchte zu naschen.
Einmal gepflanzt, bieten Bäume und Sträucher jahrelang gute Erträge. Auch hier ist der Standort entscheidend.
● Gemischte Hecken schützen den Garten vor Straßen oder unerwünschten Nachbarn. Sie sind zudem Lebensraum für viele Nützlinge im Garten.
● Obstbaumwiesen laden zum Verweilen ein. Ein Überschuss an köstlichem Obst kann durch Teilen die Gemeinschaft fördern.
● Beerensträucher gedeihen auch in großen Kübeln auf Balkon oder Terrasse. Sie sind meist anspruchslos und verschönern den Aufenthalt im Freien.
Egal wofür du dich entscheidest, die beste Pflanzzeit ist der Herbst gefolgt vom zeitigen Frühjahr, sobald der Boden frostfrei ist.
Ich lade dich ein, auf meiner Streuobstwiese zu verweilen: Der Apfel von der Streuobstwiese: Vitalstoffe for free
Die wilde Ecke im Garten: Die Wiederentdeckung der heimischen Wildpflanzen
Noch einfacher, sich mit frischer, lebendiger Nahrung zu versorgen, ist es, alte Nutz- und Wildpflanzen im Garten gezielt anzusiedeln. Wildpflanzen und alte Nutzpflanzen sind widerstandsfähiger und wesentlich gesünder als Kulturpflanzen. Einmal heimisch geworden, wachsen sie ohne dein Zutun rund um das Jahr.
Wie du Giersch, Brennnessel, Gundermann, Löwenzahn und Gänseblümchen nutzen kannst, erfährst du am besten bei einer Wildkräuter-Führung oder -Kurs.
Julia Reinert
Julia Reinert ist Gründerin von Ackertante.de einem Gartenblog über das natürliche Gärtnern.
Bei ihr gibt es jede Menge Biogemüse, Wildkräuter und Superfoods aus dem heimischen Garten. Sie befasst sich mit dem Anbau alter Sorten, der Integration von Wildkräutern sowie den Prinzipien der Permakultur.
Die Autorin erklärt, wie die Selbstversorgung aus dem Naturgarten ganzjährig gelingen kann. Aber nicht nur online, auch Vorort bietet sie ihr Wissen in Form von geführten Gartenrundgängen, Wildkräuterführungen und Workshops im Permakultur-Garten an.